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Pressemitteilung vom 05. Februar 2010, Quelle: LWL

Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden
LWL-Wanderausstellung zeichnet 26 Lebenswege nach

"Wie wir wurden, was wir nicht werden sollten. Frauen im Aufbruch zu Amt und Würden" lautet der Titel einer Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), die vom 7. Februar bis zum 5. April im Museum Wilnsdorf zu sehen ist. Die Schau zeichnet am Beispiel Westfalens den hürdenreichen Weg von Frauen in Amt und Würden nach.

Im Mittelpunkt stehen 26 Bürgerinnen, deren Lebenswege modellhaft den langsamen Wandel von Mentalitäten und Möglichkeiten zeigen. Die Ausstellung ist ein Projekt des LWL-Industriemusums mit dem LWL-Institut für Regionalgeschichte in Kooperation mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen und wird in den kommenden zwei Jahren durch Westfalen touren.

Anlass sind gleich drei Jubiläen: Im Wintersemester 1908/09 durften Frauen erstmals in Preußen regulär studieren. Zehn Jahre später erhielten sie das aktive und passive Wahlrecht und übten es 1919 erstmals aus. 1949 schrieb das Grundgesetz die Gleichberechtigung beider Geschlechter fest. "Damit erfolgten bedeutsame Weichenstellungen im Verhältnis von Frauen und Männern. Doch tatsächlich war der Weg von Frauen in politische Ämter und akademische Positionen beschwerlich und hürdenreich", so Museumsleiterin Dr. Ulrike Gilhaus, die die Ausstellung konzipiert hat.


"Heraus mit dem Frauenwahlrecht". Plakatentwurf von Karl Maria Stadler zum Frauentag 1914. Quelle: Bundesarchiv, Repro: LWL

Chancen. Hürden. Umwege
Preußen gehört in Europa zu den Schlusslichtern, als Frauen 1908 das Recht zum akademischen Studium erhalten. Nun stehen ihnen theoretisch alle Laufbahnen offen. Unabhängig von Ehemann oder Familie können sie aus eigener Kraft gehobenen Lebensstandard und gesellschaftliche Anerkennung erreichen. Doch bis weit in die Nachkriegszeit ist der Weg von Frauen in öffentliche Ämter, Wirtschaft und freie Berufe beengt durch rechtliche Einschränkungen, gesellschaftliches Frauenbild und finanzielle Hürden. Ulrike Gilhaus: "Es brauchte drei Generationen, bis man um 1980 von annähernd gleichen Rechten für Frauen und Männer sprechen kann."


Gruppenbild mit Dame: Erste weibliche Abgeordnete im Proviziallandtag von Westfalen, um 1919. Foto: LWL

Not. Krise. Schicksalsschläge
Individuelle Schicksalsschläge können jederzeit eine akademische Ausbildung beenden. Die politischen Zäsuren der ersten Jahrhunderthälfte führten jedoch zum massenhaften Studienabbruch junger Frauen unabhängig von ihrer Befähigung. Hyperinflation (1923) und Weltwirtschaftskrise (1932) entzogen vielen Familien die finanzielle Grundlage. Vor allem junge Frauen mussten beruflich umsatteln. Im Mittelpunkt der familiären Förderung stand die Unterstützung des Ehemannes oder Sohnes. Ähnliche Entwicklungen brachte der Zweite Weltkrieg. Flucht und Vertreibung durchkreuzten die Lebenspläne zahlloser junger Frauen trotz erfolgreicher Studienverläufe. Beim Neuanfang hatten die Schaffung einer neuen Existenz und Familiengründung Vorrang.

Examen. Ehe. Ehrenamt
Das Frauenstudium stellte die traditionellen Leitbilder von Männern und Frauen in Frage. Konservative begegneten der akademisch gebildeten Frau zunächst mit Skepsis, schätzen sie aber bald als Partnerin auf Augenhöhe. Ehen zwischen der "studierten Tochter aus gutem Hause" und dem bereits etablierten Akademiker kommen in Mode. Die examinierte Ehefrau stützt die beruflichen Ziele des Mannes, ­repräsentiert souverän, fördert die Bildung der Kinder und engagiert sich ehrenamtlich. Das neue Leitbild setzt sich im Bürgertum seit den späten 1920ern durch. Ehe und Mutterschaft sind für die meisten Studentinnen vorrangiges Lebensziel. Die akademische Qualifikation dient vielen nur als Faustpfand für Notlagen. Die Vereinbarkeit von Ehe und Beruf bleibt ein Zukunftsthema.

In Amt und Würden
Der Weg zum akademischem Beruf ist steinig. Finanzieller Rückhalt, hervorragende Leistungen und Netzwerke sind lange unabdingbare Voraussetzungen für den Einstieg. Die frühen Akademikerinnen entstammen gutsituierten Familien, fast immer ist der Vater selbst Akademiker. Oft gibt er den Impuls zum Studium. Aber auch Männermangel und wirtschaftlicher Druck führen zu neuen Rollenvorstellungen. Leitbild wird nun die junge Frau, die »standesgemäß« für sich selbst sorgen kann. Dieser Weg steht seit Mitte der 1950er auch Frauen aus anderen Milieus offen. Langsam bessern sich Schulangebot und finanzielle Förderung. Die mentalen Hürden aber halten sich lange: Ein Studium der Tochter gilt als verlorene Investition. Besonders schwierig ist die Situation des »katholischen Mädchens vom Lande«. Viele junge Frauen müssen sich ihren Weg gegen ihre Familie freikämpfen.


Lizzy-Schmidt-Albrecht (links) unmittelbar nach Kriegsende mit einer Kollegin in Hamburg, wo sie für eine Zeitung schrieb. 1952 wurde sie für die SPD Ratsfrau in Detmold. Quelle: NRW-Staatsarchiv Detmold, Nachlass Schmidt-Albrecht, Repro: LWL

Ausstellung des LWL
Die Ausstellung wurde konzipiert von Dr. Ulrike Gilhaus, Leiterin des LWL-Industriemuseums Zeche Zollern und entstand in Kooperation mit dem LWL-Institut für Regionalgeschichte und dem LWL-Museumsamt für Westfalen.

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